Eine Woche lang herrscht quasi wieder Ausnahmezustand in der Stadt, praktischerweise kommt man aber trotzdem normalschnell überall hin, weil das Festgelände fast ein separater Stadtteil ist, und nicht wie bei der Semana Santa die gesamte Innenstadt blockiert. Ferien gibt's auch und die Geschäfte haben nur bis Mittag geöffnet. Die Feria-"Wiesn'" liegt hinter dem Fluss und ist riesig - RIESIG - und teilt sich in den Zelte-Teil und den Rummelplatz auf. Die Zelte heißen Casetas und sind snobistischerweise nicht öffentlich, sehen dafür aber teilweise aus wie komplett eingerichtete Wohnzimmer. Darin wird dann gegessen und gesungen und natürlich Sevillana getanzt. Die wenigen öffentliches Zelte sind ziemlich groß, und vor allem laut von der Lautsprecherbeschallung. Aber auch darin kann man seinen Spaß haben, wenn man den Teenager-Mädchen beim Tanzen zuschaut.
Als Ausländer hab ich mich mal wieder chronisch underdressed gefühlt, weil ich kein schickes Flamenco-Kleid an und auch keinen Caballero samt Pferd zur Hand hatte. Denn jede Frau bzw weibliches Wesen vom Kleinkind bis zur Oma trägt dann ein solches tolles Kleid, samt Absatzschuhen (ja, auch die kleinen Mädchen) und bunte Kämme und riesige Stoffblumen in den Haaren. Am Nachmittag sieht man überall toll geschmückte Pferde-, Esel- oder Maultierkutschen, die die bunten Damen und ihre Herren über das Gelände fahren. Oder besagte Caballeros hoch zu Ross mit der Dame hinten auf'm Pferdepo im Amazonensitz.
Dank Diana hatte ich an einem Tag auch so eine tolle Blume im Haar. Das macht schon was her:
Zu Essen gibt es fritierten Fisch und das typische Getränk heißt Rebujito und ist Sherry (bzw Manzanilla) mit... na??? Seven-Up! Da hab ich mich wirklich gefragt, warum Spanier in alles noch Limo kippen, aber es schmeckt eigentlich ganz gut. Und die Wiesn'-typischen besoffenen Gröler bei Tag und Schnapsleichen bei Nacht hab ich hier nicht gesehen - muss wohl mit daran liegen, dass alles gestreckt wird.
Noch ein Unterschied ist: Wiesn' macht 22.00Uhr dicht - Feria geht quasi durchgängig, aber ohne Eintritt in eine Caseta macht das natürlich nur halb soviel Spaß.
Am letzten Feria-Abend wird (wieder um Mitternacht - wie bei der Eröffnung) ein großes Feuerwerk veranstaltet. Und damit ist die Woche voller Tanz, Gesang und Feiern für die Sevillaner vorbei. Tiefkühltruhen, Bierfässer, Stühle und Tische werden aus den Casetas getragen und abtransportiert - bis zum nächsten Jahr!
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